Kleine Chronik
Schachklub
1911 Herzogenaurach e.V.

Im
August 1911 gründeten einige schachbegeisterte Herzogenauracher Bürger einen
Klub zur geselligen Zusammenkunft und zur Pflege des Schachspiels. Nach einer
sehr wechselvollen Vereinsgeschichte feierte der Schachklub im Gedenken an
seine sechs Gründungsmitglieder im Herbst 2001 sein 90-jähriges Bestehen.
In den ersten beiden Dekaden der Vereinsgeschichte waren die Mitglieder des Schachklubs honorige, angesehene Bürger des gehobenen Herzogenauracher Mittelstandes und pflegten laut der handschriftlich verfassten Vereinschronik mehr das gesellige Beisammensein als das „schwierige Spiel“. Damen fand man zu dieser Zeit im Klub nur auf dem Schachbrett, eine Mitgliedschaft des weiblichen Geschlechts war nach den Statuten ausgeschlossen. Als 1.Vorsitzender fungierte 21 lange Jahre bis zu seinem beruflichen Wechsel 1932 nach Erlangen Finanz-Oberinspektor Konrad Daßler. Die in den 20er Jahren unter seiner Regie veranstalteten Faschingsbälle waren jedesmal ein gesellschaftliches Ereignis, bei dem man einfach dabeigewesen sein mußte. 1927 erfolgte der Beitritt zum mittelfränkischen Kreisverband.
Anfangs der 30er Jahre findet sich der erste Frauenname in der Chronik, die schwer lesbar in „Deutscher Schrift“ verfasst ist. Unklar ist dabei, ob die Dame wirklich Mitglied war oder nur bei einer „Generalversammlung“ in der damaligen Gastwirtschaft Polster als Gast anwesend war. Nach Konrad Daßler führten Sattlermeister Heinrich Maier (1933 – 1936), Bäckermeister Hans Rudert (1937) und Steuerinspektor Georg Reinmann (1938 – 1944) den Verein. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges mußten auch die jungen Klubmitglieder ins Feld ziehen und ein geordneter Spielbetrieb gestaltete sich immer schwieriger.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war jegliches Vereinsleben erloschen. Der langjährige Kassier und 2. Vorsitzende, Schneidermeister Johann Adam Kern, beantragte Ende 1945 bei der amerikanischen Militärregierung die Genehmigung zur Wiederaufnahme des Vereinslebens, was ihm nach einigen Schwierigkeiten 1946 schließlich gestattet wurde. In diese Zeit fällt auch die Loslösung einiger Mitglieder vom „Stammverein“ und die Teilung des vorhandenen Spielmaterials. Bis 1948 leitete Kern den Klub, ihm folgte 1949 Konrad Daßler jun. und ab 1950 bis 1954 Walter Röder. 1951 feierte Röder das 40-jährige Bestehen des Klubs mit einem Einladungsturnier für Vereinsmannschaften. Es siegte das Team aus Neustadt/Aisch vor Langenzenn/Wilhermsdorf sowie Höchstadt/Aisch. Die Gastgeber blieben bescheiden Letzter.
Landrat Dr. Georg Dassler (1955 – 1958) und erneut Steuerberater Walter Röder (1959 – 1964) führten in der Folgezeit den Verein. Es wurden wieder regelmäßig Stadtmeisterschafts-Turniere ausgetragen und Wettkämpfe mit anderen Mannschaften aus der unmittelbaren Umgebung vereinbart. Auch das gesellige Leben kam nicht zu kurz und Ausflüge, Fischpartien und vor allem Weihnachtsfeiern standen auf dem Programm. Die Statuten wurden unter dem Namen „Vereinssatzung“ neu verfasst und erlaubten jetzt auch Frauen die Mitgliedschaft.

Großmeister Lothar Schmid beim Simultanspiel 1961 in Herzogenaurach
Das
50-jährige Gründungsfest wurde 1961 mit einiger Politprominenz im „Polstersaal“
gefeiert und der damalige 1. Bürgermeister Hans Maier ehrte mit einem Pokal den
Stadtmeister Jürgen Paulick. Anschließend gab der 1959 zum Internationalen
Großmeister ernannte Bamberger Lothar Schmid ein Simultanspiel gegen die fast
vollzählig versammelten Mitglieder des Schachklubs. Leider sind von diesem
herausragenden Ereignis nur Fotos und keine Aufzeichnungen schriftlicher Art
vorhanden.
1962 erfolgte der Beitritt zum Bayerischen Landessportverband (BLSV) und später die Aufnahme von Verbandsspielen mit einer Herrenmannschaft.
1965
übernahm Schreinermeister Adam Westner das Ruder und blieb sage und schreibe,
wie vor ihm nur Konrad Daßler, 21 Jahre unbestritten an der Spitze des Vereins.
Der Spielbetrieb auf Verbandsebene wurde intensiviert und bald zur Routine und
ein Städtevergleichskampf gegen Höchstadt am Feiertag Buß- und Bettag ins Leben
gerufen. Nun begann man auch darüber nachzudenken, wie neue, vor allem
jugendliche Mitglieder geworben werden konnten. Doch bis zur Aufstellung einer
Jugendmannschaft war es noch ein weiter Weg.
Ein
anderes Problem jener Zeit war der häufige Spiellokal-Wechsel. So zog man vom
ehemaligen Vereinswirt Hans Polster (Gaststätte Polsterbräu, später „Kastanie“)
zum „Strach“ (Gaststätte „Zur Linde“), anschließend weiter ins „Monopol“ (jetzt
„Zum Lindengarten“) und über das Don-Bosco-Haus in die alte Berufsschule
(später Jugendzentrum und jetzt Freizeitzentrum). Doch es gelang Westner, neue
Spieler zu werben und Abgänge weitgehend zu vermeiden. Im Lauf der 80er Jahre
konnte er eine zweite Herrenmannschaft zum Spielbetrieb auf Kreisebene anmelden
sowie ein Jugendteam installieren.
Adam Westner legte 1987 die Geschicke des Vereins in jüngere Hände. Für seine Verdienste wurde er von der neugewählten Vorstandschaft mit Peter Reincke (1987 – 1988) an der Spitze zum Ehren-Vorsitzenden ernannt. Klaus Fischer übernahm 1988 die Leitung von Peter Reincke und führte dem Verein durch die Zusammenarbeit mit dem städtischen Freizeitzentrum neue jugendliche Mitglieder zu. Mit der Stadt Herzogenaurach vereinbarte er den Umzug in das jetzige Domizil des Schachklubs, die ehemalige Buchdruckerei Mandelkow in der Kellergasse. Bedingt durch den Wegzug Fischers aus seiner Heimatstadt folgte ihm 1993 Horst Habermann als 1.Vorsitzender. Jugendförderung, Teamarbeit und moderne Managementmethoden in der Vereinsführung sind die Schwerpunkte des Maschinenbautechnikers und Betriebswirtes. Insgesamt 65 Mitglieder, davon fünf Ehrenmitglieder zählte der Verein zur Zeit der 90-Jahr-Feier 2001 und stand damit im Schachkreis Mittelfranken-Nord an fünfter Stelle, im Bezirk Mittelfranken an Position 13.
Seit Anfang der 90er Jahre zeichnet den Schachklub ein stetiger Zugang von Mitgliedern sowie der wiederholte Aufstieg seiner einzelnen Manschaften in den verschiedenen Verbandsligen aus. In der Saison 2001/02 ging die erste Herrenmannschaft mit dem damals noch 15-jährigen Moritz Lauer am ersten! Brett auf Punktejagd in der Bezirksliga 1, Team Zwei spielte in der Kreisliga 2 und erstmals meldete der Klub drei Jugendmannschaften. Die erste Jugend spielte erfolgreich in der neu geschaffenen Landesliga und schaffte überlegen den Aufstieg in die höchste Jugendklasse, die Bayernliga. Das zweite Jugendteam spielte in der Bezirksliga 2 und die ganz Kleinen begannen in der Kreisliga 2.
Durch den Wechsel von Moritz Lauer 2002 nach Puschendorf konnte die erste Jugend in der Bayernliga nicht bestehen und stieg nach einem Jahr wieder ab. Da zudem aus Altergründen drei Stammspieler ausscheiden mussten, beschloss die Vereinsführung die Reduzierung auf wieder zwei Jugendteams und die Rücknahme von Team 1, mit neuen Kräften versehen, in den Bezirk. Dafür etablierte die neuformierte Jugendleitung 2004 eine U12-Mannschaft auf bayerischer Ebene und 2005 ein U16-Team im Bezirk. Mit der Übernahme der Kreisjugend-Einzelmeisterschaft 2002, Schulschach-Aktivitäten, Einladungs- und Türmchen-Turnieren zeigt der Verein ein hohes Maß an Initiative in der Jugendarbeit.

Jung und Alt beim Maiausflug 2000 nach Obermembach
Neue Leute braucht das Schach
Eine breite Palette von Spielmöglichkeiten bietet der Schachklub Herzogenaurach seinen Mitgliedern. Jugendliche spielen einmal im Monat ein mit Preisen versehenes Blitzturnier, die monatlichen Ergebnisse fließen in eine Jahrewertung mit drei Hauptpreisen ein. Daneben können sich die Kids intern bei der Jugendmeisterschaft mit Vereinskollegen, extern in zwei Mannschaften mit Anderen messen. Tandemblitzturniere, Simultanspiele und freie Partien runden das Angebot ab. Einmal im Monat findet ein Trainingsabend statt und in den Sommerferien bietet der Klub allen interessierten Herzogenauracher Schülern ein kostenloses Schnupperschach-Training an.
Die Erwachsenen messen Ihre Kräfte bei der Stadtmeisterschaft, im Pokal- oder Schnellschach-Turnier oder der Blitzmeisterschaft. Daneben gibt es gesellschaftliche Treffen mit integrierten, nicht ganz ernst gemeinten Blitzschachturnieren wie den „Blitzer des Jahres“ mit Bratwürsten und Faßbier, das „Stadtwurst-Blitzturnier“ mit einer ordentlichen Brotzeit oder das Turnier um die Weihnachtsgans. Der externe Spielbetrieb wird mit zwei Mannschaften auf Bezirks- und Kreisebene betrieben. Ein einmal im Monat abgehaltener Workshop vermittelt Einblicke in die Geheimnisse der Bauern-, Turm- und Damen-Endspiele. Auch die schwierigen Springer- und Läufer-Endspiele sowie Mittelspiel-Themen wie „Grundreihenschwäche“ oder „starke Felder – schwache Felder“ kommen nicht zu kurz.
Eine jährliche Wanderung nach Obermembach zum Saisonabschluß steht ebenso auf dem Programm wie die Weihnachtsfeier im Klublokal mit Siegerehrungen der Meister.
Der Schachklub hat seinen Spielabend jeden Freitag ab 18 Uhr in den Klubräumen. Wer Interesse am königlichen Spiel hat, wird in der Kellergasse 2 stets einen Ansprechpartner finden.